Naturstadt-Projekt Rastenberg


Alle wundern sich: Was ist denn blos in Rastenberg los?“

In fragende Gesichter konnten wir in den letzten Tagen häufiger schauen. Für uns als kleine Naturstadtgruppe gab es gefühlt ein ganzes Jahr diese Fragezeichen.

Aber nun kann es endlich sichtbar los gehen.
 
Aber von Anfang an.
 
Am 24.06.2020 schickte Herr Goldhorn (damals noch Lepka) an die Bürgermeister der VG folgende Mail: 
„Der Bund vergibt 40 mal 25.000 € an Kommunen, die großartige Projekte zum „Schutz von Insekten im Siedlungsbereich und zur Förderung von Natur in der Stadt“ umsetzen (siehe unten). Zeit ist bis 30. Juni 2020. Das Geld kann mit anderen Fördermitteln kombiniert werden, sofern nach außen klar erkennbar ist, was woraus finanziert wurde.
Vielleicht haben wir ja etwas, das wir hier mit einbringen könnten? Blühwiese in Großneuhausen z.B.? Der Bienengarten in Roldisleben war doch auch so eine Sache, die gefördert wurde. Irgendeine Gewässerrenaturierung (Teich in Roldisleben)?… Die Haken an der Sache: Projektbeginn frühestens November 2020. Für die 25.000 € müssen auch entsprechende Kosten nachgewiesen werden …“

Unsere Bürgermeisterin, Frau Winter reagierte prompt und leitete diese Information an die Mitglieder der WGR „Gemeinsam für Rastenberg“ weiter. Als Denkanstoß nahmen sich vier der Mitglieder der Sache an. Was anfangs gar nicht so kompliziert aussah, gestaltete sich doch langwieriger und umfangreicher als gedacht.

Die Ideen sprudelten nur so aus uns heraus und waren schnell zu Papier gebracht. Bei genauerer Betrachtung fielen uns aber schon beim ersten Lesen einige Schwachpunkte auf. Also begann dann doch eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Blühwiesen und Insektensterben. Denn nur einfach mal ein paar Samentüten ausschütten, das merkten wir ziemlich schnell, damit ist es nicht getan. Viele Fragen türmten sich in unseren Köpfen und die Zeit drängte, denn bis zum 30.06.2020 sollte ein schlüssiges Konzept geschrieben werden. Natürlich hatten wir jetzt auch schon den Ehrgeiz entwickelt, etwas Besonderes auf die Beine zu stellen, was die Bundesjury überzeugen sollte.

Welche Standorte kommen in Frage? Mit welcher Technik können diese Flächen bearbeitet werden. Können wir tierische Mitarbeiter (Schafe) für das Projekt gewinnen? Welche Vorarbeiten sind zu leisten? Welche Samenmischungen sind die richtigen für die verschiedenen Standorte? Wem gehören die Grundstücke, die wir uns ausgeguckt hatten? Mit wem müssen Gespräche geführt werden? Und nicht zuletzt, können alle Kosten mit dem Preisgeld abgedeckt werden? 
Es folgten unzählige Stunden am Computer und Ortsbegehungen, um Standortbedingungen zu recherchieren.
Lebensbedingungen und ökologische Grundprinzipien verschiedener Insekten und Reptilien wurden mit den Gegebenheiten in unserer Stadt verglichen und im Konzept festgeschrieben.

Nach einiger Zeit hatten wir das zusammengetragen Was eventuell Wo, mit Wem und Wie, falls wir zu den Gewinnern gehören sollten, möglich sein könnte.

Pünktlich am 30.06.2020 stand das Konzept und wurde abgeschickt.
Dann passierte lange Zeit nichts. Keiner dachte mehr daran und wir überlegten, ob die eine oder andere Idee vielleicht auch mit Blühpaten umgesetzt werden könnte.
Anfang Oktober 2020 war es dann soweit und die Jury hatte uns tatsächlich im Wettbewerb 
„Naturstadt _ Kommunen schaffen Vielfalt“ als eine der Siegerstädte ausgewählt. (TA berichtete über die feierliche Übergabe der Urkunde)

Am 22.10.2020 bestätigte unsere BGM die Annahme der Auszeichnung, die dann in einer virtuellen Ehrungsfeier am 28.10 2020 offiziell bekannt gegeben wurde.

Damit war es aber noch nicht geschafft und die Siegerprämie noch in weiter Ferne.
Jetzt musste eine Umsetzungsvereinbarung erstellt werden. Dazu mussten jetzt alle Vorhaben konkret mit Zahlen, Fakten und Kosten konkretisiert werden. Es folgten unzählige Telefonate und e- Mailkontakte mit den Verantwortlichen, Beratungen und neue Standortbegehungen in unserer kleinen Arbeitsgruppe bis dann endlich Ende August 2021 das Preisgeld auf dem Konto eingegangen war. 

Es konnte endlich losgehen. Neue Kostenangebote einholen, Saatgut bestellen, Flächen vorbereiten.
Allein ist so ein Projekt natürlich nicht zu stemmen, deshalb machten wir uns ja schon im Vorfeld Gedanken darüber, wen wir ins Boot holen, sprich für die Blühwiesen begeistern können. Tatsächlich haben wir inzwischen einen jungen ortsansässigen Schäfer gefunden. Eine Win-win-Situation. Er suchte Flächen für seine Schafzucht und wir wollen so schonend wie möglich die noch Grünflächen und ab 2022 hoffentlich Blühwiesen bearbeiten. Wir sind sehr froh, dass Herr Mario Sauter Insekten freundlich mit seinen Schafen die Beweidung einiger Flächen in Rastenberg übernimmt.

Unser Bauhof bereitete im Sommer im Rahmen der üblichen Mäh- und Kultivierungsarbeiten die Fläche für die Reptilienburg grob vor. Jetzt, da auch entsprechende Gelder für die Bezahlung bereitstehen, wuchs die Reptilenburg auch schon unsichtbar in die Tiefe und sichtbar in die Höhe. Es werden auch noch weitere alte Baumstämme und große Steine aufgetürmt, bevor wir diesen Platz den Insekten und Reptilien überlassen, die hoffentlich bald im kommenden Jahr dieses neue Domizil für sich entdecken.

Insekten- und Reptilienburg
Naturstadt Rastenberg | Hilfe durch Fa. Rücknagel

Besonders haben wir uns gefreut, dass Herr Rücknagel sofort und ohne Zögern bereit war, zwei Flächen für die Herbstaussaat der Blühwiesen vorzubereiten. Am ehemaligen Kulturpark und am Ortseingang in Rothenberga hat er grüne Grasflächen umgebrochen und gegrubbert. Am 23.10.2021 wurden die Blühwiesenmischungen in den Boden gebracht, um sich über den Winter auf ihren großen Auftritt, so hoffen wir, vorzubereiten.

Informationen zum Projekt gibt es auch hier >