Das Eichhörnchen in Deutschland und Thüringen: Kletterkünstler zwischen Wald und Garten
Es gehört zu den bekanntesten Wildtieren überhaupt und wird doch oft nur flüchtig wahrgenommen: das Eichhörnchen. Mit seinem buschigen Schwanz, den schnellen Sprüngen und den wachen Bewegungen ist es ein vertrauter Begleiter in Parks, Gärten und Wäldern. Auch in Thüringen gehört das Eichhörnchen vielerorts zum vertrauten Bild — vom alten Baumbestand im Ort bis zu größeren Waldgebieten. Bundesweit lebt bei uns das Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), das fast in ganz Deutschland verbreitet ist und sich längst auch städtische Lebensräume erschlossen hat.
Ein Tier, das perfekt für das Leben in Bäumen gebaut ist
Das Eichhörnchen ist ein echter Kletterspezialist. Sein leichter Körper, die kräftigen Hinterbeine und die gebogenen Krallen machen selbst schnelle Sprünge und sichere Landungen auf Ästen möglich. Der lange, buschige Schwanz dient dabei nicht nur als Erkennungszeichen, sondern auch als Balancierhilfe und Steuerruder. Erwachsene Tiere erreichen meist etwa 20 bis 25 Zentimeter Körperlänge, dazu kommt der fast ebenso lange Schwanz; das Gewicht liegt grob bei 200 bis 400 Gramm.
Rot, braun oder fast schwarz – und doch dieselbe Art
Viele Menschen glauben, helle und dunkle Eichhörnchen seien verschiedene Arten. Das stimmt so nicht. Auch sehr dunkel gefärbte Tiere gehören in Deutschland in der Regel zum gleichen heimischen Eurasischen Eichhörnchen. Die Fellfarbe kann stark variieren — von rotbraun bis dunkelbraun oder fast schwarz. Gerade diese Vielfalt macht Begegnungen mit Eichhörnchen oft besonders spannend.
Waldtier und Kulturfolger zugleich
Ursprünglich ist das Eichhörnchen vor allem ein Tier von Laub-, Misch- und Nadelwäldern mit älteren Bäumen. Gleichzeitig kommt es mit menschlicher Nähe erstaunlich gut zurecht. Deshalb begegnet man ihm heute häufig auch in Parks, Friedhöfen, Gärten und grünen Siedlungsräumen. Entscheidend sind Bäume, Nahrung und Rückzugsorte. Genau deshalb kann man Eichhörnchen auch in Thüringen nicht nur im Wald, sondern ebenso in Orten mit altem Baumbestand gut beobachten. Dass sich die Art in Deutschland und vielen anderen Ländern städtische Lebensräume erschlossen hat, beschreiben NABU und Deutsche Wildtier Stiftung übereinstimmend.
Was Eichhörnchen fressen
Eichhörnchen leben vor allem von energiereichen Samen und Früchten. Besonders wichtig sind Samen von Buche, Eiche, Kiefer, Ahorn und Fichte, dazu kommen Nüsse, Kastanien, Knospen, Blüten, Pilze und gelegentlich auch tierische Nahrung. Bekannt sind Eichhörnchen vor allem dafür, Vorräte anzulegen: Sie verstecken Nahrung in kleinen Depots und greifen bei Bedarf wieder darauf zurück. Damit helfen sie ganz nebenbei sogar bei der Verbreitung von Bäumen und Sträuchern, weil nicht jedes Versteck wiedergefunden wird.
Kein Winterschlaf, aber Winterruhe
Ein häufiger Irrtum: Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf. Stattdessen leben sie in einer Art Winterruhe. Sie sind auch in der kalten Jahreszeit aktiv, allerdings deutlich weniger und oft nur für einige Stunden am Tag, abhängig vom Wetter und vom verfügbaren Futter. Im Herbst sammeln sie deshalb besonders intensiv Nahrung. Im Sommer sind sie vor allem morgens und nachmittags unterwegs, oft mit einer ruhigeren Phase zur Mittagszeit.
Auch in Thüringen ein vertrauter, aber nicht selbstverständlicher Anblick
Dass Eichhörnchen in Thüringen präsent sind, zeigt schon der praktische Naturschutz vor Ort: Beim NABU Jena gibt es sogar eine eigene Hilfe- und Kontaktmöglichkeit für Eichhörnchen und Bilche. Das ist kein Bestandsnachweis im wissenschaftlichen Sinn, macht aber deutlich, dass die Art im Alltag vielerorts vorkommt und regelmäßig Aufmerksamkeit braucht.
Gleichzeitig ist das Eichhörnchen kein Tier, das man einfach als „überall häufig und sicher“ abhaken sollte. Der NABU weist auf Meldeaktionen hin, weil es rund um Vorkommen und Entwicklung noch Wissenslücken gibt. Auch die Konkurrenz durch das aus Nordamerika stammende Grauhörnchen wird in Europa beobachtet, auch wenn es in Deutschland bislang noch nicht die gleiche Rolle spielt wie etwa in Großbritannien.
Warum alte Bäume so wichtig sind
Eichhörnchen brauchen nicht einfach nur „Grün“, sondern strukturreiche Lebensräume. Alte Bäume bieten Nahrung, Laufwege in der Höhe, Schutz vor Feinden und gute Plätze für ihre Nester, die sogenannten Kobel. Wo Baumreihen unterbrochen werden, Straßen breite Schneisen schlagen oder alte Gehölze verschwinden, wird es für Eichhörnchen schwieriger. Deshalb profitieren sie besonders von alten Baumbeständen, vernetzten Grünstrukturen und naturnahen Gärten.
Ein Sympathieträger mit wichtiger Rolle in der Natur
Das Eichhörnchen ist weit mehr als ein hübscher Gartenbesucher. Durch das Sammeln und Verstecken von Samen trägt es dazu bei, dass sich Bäume und Sträucher ausbreiten können. Es ist damit auch ein kleiner Helfer der natürlichen Waldverjüngung. Gerade weil es den Menschen so nah ist, kann es zudem ein wunderbarer Botschafter dafür sein, wie wichtig lebendige Bäume, ruhige Grünräume und naturnahe Gärten in Deutschland und auch in Thüringen sind.
So können Sie Eichhörnchen unterstützen
Wer Eichhörnchen helfen möchte, braucht meist keine großen Maßnahmen. Wichtig sind vor allem alte Bäume, vielfältige Gehölze, sichere Rückzugsorte und ein möglichst naturnah gestalteter Garten. Wo Tiere verletzt oder hilflos gefunden werden, gibt es regionale Anlaufstellen; in Thüringen verweist etwa der NABU Jena auf entsprechende Hilfeangebote.
Ein vertrauter Wildgast vor der Haustür
Das Eichhörnchen ist eines jener Tiere, die fast jeder kennt und die trotzdem nie gewöhnlich wirken. Ein Sprung von Ast zu Ast, ein kurzer Halt am Stamm, das schnelle Knacken einer Nuss — oft sind es nur kleine Momente, aber gerade sie machen Natur im Alltag sichtbar. In Deutschland wie in Thüringen ist das Eichhörnchen deshalb nicht nur ein beliebtes Wildtier, sondern auch ein stiller Hinweis darauf, wie wertvoll alte Bäume und grüne Verbindungen in unserer Landschaft sind.



