Das Mühltal ist das grüne Herzstück Rastenbergs – ein Durchbruchstal, das die Lossa im Laufe von Jahrmillionen in den Höhenzug der Finne geschnitten hat und heute Geologie, Geschichte und Erholung auf engstem Raum vereint.
Entstehung
Als die Finne herausgehoben wurde, sägte sich eine neue Fließlinie, die Lossa, ein und schuf das Durchbruchstal, das heutige Mühltal. Naturstiftung-david Bevor das geschah, floss in präglazialer Zeit die Ur-Ilm in entgegengesetzter Fließrichtung über die Finne Naturstiftung-david und hinterließ am vorgelagerten Kapellenberg ihre Sedimente. Das Mühltal ist damit kein gewöhnliches Bachtal, sondern das Ergebnis einer erdgeschichtlichen Umkehr – die Lossa hat sich ihren Weg durch das Gebirge buchstäblich erkämpft.
An den Ufern ist das noch heute ablesbar: Auf der rechten Seite stehen Buntsandsteinschichten nahezu senkrecht, auf der gegenüberliegenden Seite tritt Muschelkalk zutage. Was hier sichtbar wird, ist die sogenannte „Finne-Störung“ – tektonische Aufwerfungen aus der alpidischen Gebirgsbildung, die die Gesteinsschichten gegeneinander versetzt hat. Das Mühltal ist damit einer der wenigen Orte, an dem sich diese geologische Besonderheit der Finne direkt am Wegesrand beobachten lässt.
Die Heilquellen – Rastenberg als Kurstadt
Am 18. Juni 1646 entdeckten Schäfer im Mühltal eine „helle Quelle“ und berichteten dem Bürgermeister davon. Dieser besichtigte die Quelle, trank von ihrem Wasser und stellte wenige Tage später fest, dass er von seinen Hüftschmerzen geheilt war. Hoheschrecke Die Nachricht verbreitete sich schnell. Der Bade- und Kurbetrieb erlebte in den Jahren 1696 bis 1700 seinen Höhepunkt. Herzogliche Anweisungen ordneten den Ausbau der Quellen an, zwei Brunnenschöpfer wurden angestellt und Gebäude in Quellennähe errichtet. Hoheschrecke
Rastenberg war damit für zwei Jahrhunderte ein bekannter Kurort – Fürsten und Bischöfe reisten an. An diese Zeit erinnern zwei Brunnenhäuschen im Mühltal, in unmittelbarer Nähe des Waldschwimmbades. Hoheschrecke
1888 trat im Mühltal eine weitere Quelle zutage – im sogenannten Dreikaiserjahr, in dem das Deutsche Reich innerhalb von nur vier Monaten von drei Herrschern regiert wurde. EUNIS Die Quelle wurde gefasst, mit einer Gedenktafel versehen und trägt bis heute den Namen Drei-Kaiser-Quelle.
Das Waldschwimmbad – ein Neustart aus der Not
Mit der Stilllegung des Kalischachtes und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit besann sich die Stadtverwaltung der früheren Traditionen der Stadt. Sie beschloss, die landschaftlichen und klimatischen Vorzüge der Umgebung zu nutzen und Rastenberg als Luftkurort zu gestalten. Bundesamt für Naturschutz
An zwei Schilfteichen im idyllischen Mühltal begannen im Dezember 1924 die Arbeiten. Zwanzig Arbeitslose unterstützten im Rahmen von Notstandsarbeiten die Baufirma. Bundesamt für Naturschutz Der Beschluss war umstritten – doch das Ergebnis überzeugte. Bereits 1926 fand das Gauschwimmfest und 1927 das Kreisschwimmen der Deutschen Turnerschaft statt. Bundesamt für Naturschutz Das Waldschwimmbad mit seiner 5.000 m² großen Wasserfläche mitten im Hochwald des Mühltals existiert bis heute – und ist bis heute ein Sonderfall unter den Freibädern Deutschlands.
Das Mühltal heute
Durch das Mühltal führt eine der beiden Varianten des Finnewanderwegs, der hier vom Waldschwimmbad kommend entlang der Lossa in die Stadtmitte führt. Die Lossa selbst – in weiten Schleifen durch das Tal mäandrierend – ist durch eine moderne Fischtreppe wieder durchgängig gemacht worden, in die auch die Drei-Kaiser-Quelle eingebettet ist.
Wer das Mühltal erwandert, bewegt sich auf mehreren Zeitebenen gleichzeitig: geologische Jahrmillionen in den Felsen am Ufer, vier Jahrhunderte Kurgeschichte in den Brunnenhäuschen, und ein Freibad, das seit 1925 in Betrieb ist. Das macht das Mühltal zu mehr als einem schönen Spazierweg – es ist der Ort, an dem Rastenbergs Geschichte ihren Anfang nimmt und bis heute ablesbar bleibt.
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