Die Zwecke – Eisenbahn in Rastenberg

Rastenberg hatte lange keine eigene Bahnverbindung. Das änderte sich am 26. Juni 1887 mit der Eröffnung der meterspurigen Weimar-Rastenberger Eisenbahn (WRE) – dem ersten Bahnanschluss des Ortes.

Als ab 1907 nahe Rastenberg der Kalischacht der Gewerkschaft Rastenberg abgeteuft wurde, erwies sich die schmale WRE als ungeeignet für den schweren Güterverkehr. 1910 wurde deshalb die normalspurige Buttstädt-Rastenberger Eisenbahn (BRE) eröffnet – mit direktem Anschluss zum Schacht. Bis Hardisleben teilten sich beide Bahnen die Trasse über ein Dreischienengleis.

Als das Kaliwerk 1924 stillgelegt wurde, verlor die BRE ihren wichtigsten Kunden. Am 31. Dezember 1932 stellte sie den Betrieb ein.

Die Gemeinden Rastenberg und Hardisleben wollten den Bahnanschluss aber nicht aufgeben: Sie gründeten am 31. Oktober 1932 den Eisenbahn-Zweckverband Rastenberg-Hardisleben (EZRH) und übernahmen die Strecke im Güterverkehr. Aus diesem sperrigen Namen wurde im Volksmund schnell ein einziges Wort: „die Zwecke“ – ein Name, der bis heute in der Erinnerung älterer Rastenberger lebendig geblieben ist.

Mit einer kleinen Deutz-Diesellok, einem Güterwagen und zwei Angestellten transportierte der EZRH fortan Kohle, Holz und Erntegüter. Ab 1943 fuhr auch wieder ein Personenwagen. Die Deutsche Reichsbahn übernahm den Betrieb 1949 – und stellte ihn am 26. Mai 1968 endgültig ein. Bis 1969/70 wurden die Gleise abgebaut.

Seit 2024 erinnert eine Diesellokomotive als Denkmal an die Strecke: eine V 22 B (Fabriknummer 262 473), aufgearbeitet von der Interessengemeinschaft Hirzbergbahn e.V. und mit der fiktiven Bezeichnung „V 15 2204″ versehen – in Anlehnung an den Loktyp, der zuletzt auf der Rastenberger Strecke fuhr.

Siehe auch: Kalischacht Rastenberg

© Raspedia

Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

Raspedia