Scherbenfunde bestätigten die Vermutung einer vorgeschichtlichen Wallburg an diesem Standort.

Die Raspenburg – im Mittelalter stets Raspenberg genannt, der heutige Ortsname ist eine spätere Umbildung – liegt auf einem nach Nordwesten gerichteten Bergsporn am nordöstlichen Stadtrand von Rastenberg. Steilabfall nach drei Seiten bot natürlichen Schutz; strategische Bedeutung erhielt die Anlage durch ihre Lage an einer Altstraße über die Finne sowie in der Nähe der Via Regia (Handelsstraße Erfurt–Naumburg). Scherbenfunde deuten auf eine vorgeschichtliche Wallburg am selben Standort hin.

Baugestalt

Die Anlage war weiträumig und gliederte sich in Haupt- und Vorburg, gesichert durch eine gestaffelte Wall-Graben-Befestigung gegen den Berg. Vom heutigen Bestand ist lediglich ein Stumpf des Bergfrieds erhalten (Umfang 32 m, Mauerdicke 2,5 m); Wall- und Grabenreste sind noch ablesbar.

Gründung und frühe Geschichte – eine offene Frage

Die ältere Forschung und Chronistik brachten die Burg mit den ludowingischen Landgrafen in Verbindung, insbesondere mit dem Beinamen Raspe, den mehrere nachgeborene Söhne namens Heinrich aus diesem Geschlecht trugen. Johannes Rothe (15. Jh.) nennt Heinrich Raspe III. († 1180) als Erbauer; die hessische Congeries-Chronik (16. Jh.) behauptet umgekehrt, der Beiname sei von der bereits bestehenden Burg übernommen worden. Beide Überlieferungen beruhen auf keiner gesicherten Quellenbasis.

Die urkundliche Überlieferung zeigt ein anderes Bild: Die frühesten Belege für Raspenberg weisen nicht auf die Landgrafen, sondern auf das nordwestthüringische Grafschaftsmilieu: 1252 urkunden zwei Brüder von Raspenberg als Lehnsleute der Askanier mit Besitz bei Frankenhausen und lassen sich von Rittern der Grafen von Beichlingen besiegeln; 1268 erscheint ein Truchsess von Raspenberg mit mainzisch-clettenbergischem Lehensgut; 1274/76 urkunden die Grafen von Rabenswald auf der Burg, teilweise in landgerichtlicher Funktion.

Erst 1288 erscheint die Burg unter den naumburgischen Lehen Landgraf Albrechts. Ob es sich dabei um eine Lehnsauftragung (also bereits älterer landgräflicher Besitz) oder um naumburgisches Eigengut handelt, ist urkundlich nicht belegt. Eine ludowingische Burggründung ist nach aktuellem Forschungsstand nicht belegbar; die Herrschaftszugehörigkeit zur Zeit der Gründung muss als ungeklärt gelten. (Vgl. Müller, Christine: Rastenberg – Zur herrschaftlichen Einordnung der Burg, 2020)

Vom Raubritternest zur Stadtburg

Im frühen 14. Jahrhundert war die Burg in Verruf geraten. 1321 ließ Landgraf Friedrich der Gebissene sie mit Unterstützung der Reichsstädte Mühlhausen und Erfurt belagern und nach Vertreibung der Burgmannschaft zerstören. Die Ruine wurde anschließend durch die Grafen von Orlamünde als wettinisches Lehen empfangen und teilweise erneuert.

Mit der Stadterhebung Rastenbergs 1378 wurde die Burg in die Stadtbefestigung integriert; vereinzelte Nutzung als Verteidigungsanlage ist bis 1525 belegt. In der Folge verfiel die Anlage zunehmend und diente – besonders nach den Stadtbränden im Dreißigjährigen Krieg – als Steinbruch für den Wiederaufbau. 1804 gelangte der Burgberg in städtischen Besitz.

Kloster

In der Blütezeit der Burg bestand in unmittelbarer Nähe ein Zisterzienserinnenkloster, 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Es wurde im Zuge der Reformation um 1539 aufgelöst; die Klosterkirche wurde 1550 zur evangelischen Stadtkirche umgebaut.

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Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

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