In der Nähe des Obertores bestand ein Nonnenkloster, das dem Patrozinium der Seligen Jungfrau Maria (Beatae Virginis Mariae) geweiht war. Es wurde von Zisterzienserinnen bewohnt und ist im Jahr 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Gründungszeitpunkt und Gründungsherrschaft sind nicht überliefert; ein Zusammenhang mit der herrschaftlichen Entwicklung des Ortes im späten 13. Jahrhundert liegt nahe, ist urkundlich jedoch nicht belegt.

Nach Ankunft der Reformation in Rastenberg wurde das Kloster aufgegeben und die Nonnen verließen die Stadt. Um 1550 wurde die Klosterkirche unter erheblichem finanziellen Aufwand zur evangelischen Pfarrkirche umgebaut; die bisherige Pfarrkirche St. Kilian am Friedhof war zu diesem Zeitpunkt baufällig. Von der Klosteranlage selbst sind keine baulichen Reste erhalten. Auf ihre einstige Existenz verweisen lediglich Flurnamen wie Kapellenberg, Mönchsacker und Mönchsborn.

Die Klosterkirche, nun Stadtkirche, brannte 1636 im Dreißigjährigen Krieg ab, ein Nachfolgebau 1824 erneut. Die heutige Liebfrauenkirche wurde 1825–1826 nach Plänen von Clemens Wenzeslaus Coudray im klassizistischen Stil errichtet und am 14. Dezember 1826 geweiht.

Wer waren die Zisterzienserinnen?

Ein Frauenorden, der im 12. Jahrhundert in Burgund entstand, mit einem klaren Ideal: Gebet, Lesung, Arbeit – und Stille. Ihre Klöster entstanden oft in enger Verbindung zur örtlichen Herrschaft. Wer das Kloster in Rastenberg gegründet hat und warum genau hier, ist urkundlich nicht überliefert. Die zeitliche Nähe zur ersten Nennung der Burg und zur frühen Stadtgeschichte legt eine Verbindung nahe – mehr lässt sich nicht sagen.

Was wir wissen:

Das Kloster hatte Bestand über fast 250 Jahre. Dann kam die Reformation nach Rastenberg, das Kloster wurde aufgegeben, die Nonnen verließen die Stadt.
Von der mittelalterlichen Klosteranlage selbst ist heute nichts mehr sichtbar. Drei Stadtbrände, der Dreißigjährige Krieg, zwei Kirchenneubauten – die Schichten der Geschichte haben sich hier übereinandergeschoben. Nur die Flurnamen in der Umgebung erinnern noch daran, dass hier einst klösterliches Leben war: Kapellenberg, Mönchsacker, Mönchsborn. 

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Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

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