Der Feldhase - der stille Besucher unserer Landschaft

Feldhase

Der Feldhase, ein Meister der offenen Landschaft

Wenn am frühen Morgen Nebel über den Feldern liegt und die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft erreichen, kann man mit etwas Glück eine besondere Begegnung erleben: Ein Feldhase sitzt regungslos zwischen den Gräsern. Erst im letzten Moment springt er auf, macht einige gewaltige Sätze – und ist schon bald wieder verschwunden.

Der Feldhase (Lepus europaeus) gehört zu den charakteristischen Bewohnern unserer Kulturlandschaft. Auch in Thüringen ist er heimisch und eng mit den offenen Feldfluren, Wiesen und Ackerlandschaften verbunden.

Kein Kaninchen – sondern ein echter Feldbewohner

Obwohl Feldhase und Wildkaninchen auf den ersten Blick ähnlich aussehen, sind sie deutlich voneinander zu unterscheiden.

Der Feldhase ist größer und hat deutlich längere Ohren und kräftigere Hinterbeine. Ausgewachsene Tiere können eine Körperlänge von etwa 50 bis 70 Zentimetern erreichen und mehrere Kilogramm wiegen.

Besonders auffällig sind die langen Ohren – die sogenannten Löffel. Bei ausgewachsenen Feldhasen sind sie länger als der Kopf und besitzen an der Spitze eine charakteristische schwarze Färbung.

Auch beim Lebensraum unterscheiden sich beide Arten: Während das Kaninchen meist in Bauen lebt, ist der Feldhase ein Bewohner der offenen Landschaft und gräbt keine unterirdischen Wohnbaue.

Der Hase sitzt in der Sasse

Wer einen Feldhasen auf einem Acker oder einer Wiese entdeckt, sieht ihn häufig zunächst einfach nur dasitzen.

Das ist kein Zufall.

Der Feldhase legt sich eine flache Mulde an, die als Sasse bezeichnet wird. Dort drückt er sich in die Vegetation und bleibt möglichst unauffällig. Sein braunes Fell bietet ihm dabei eine hervorragende Tarnung.

Kommt ein Mensch oder ein Hund zu nahe, kann sich der Hase zunächst scheinbar völlig ruhig verhalten. Erst wenn die Gefahr zu groß wird, springt er plötzlich auf und flüchtet.

Ein unglaublicher Sprinter

Dann zeigt sich, warum der Feldhase zu den beeindruckendsten Läufern unserer heimischen Tierwelt gehört.

Mit seinen kräftigen Hinterbeinen erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu etwa 70 km/h. Dabei kann er nicht nur schnell laufen, sondern auch überraschend abrupt die Richtung ändern.

Seine berühmten Haken sind eine wirksame Strategie, um Fressfeinde abzuschütteln.

Der Hase flieht dabei nicht immer einfach schnurgerade davon. Gerade seine schnellen Richtungswechsel machen es für einen Verfolger schwierig, ihn zu fassen.

Kleine Hasen brauchen keine Hilfe

Besonders im Frühjahr werden immer wieder scheinbar verlassene Junghasen gefunden.

Auch hier gilt eine wichtige Regel:

Nicht anfassen und nicht mitnehmen.

Anders als viele andere Säugetiere werden junge Feldhasen bereits vollständig behaart und mit offenen Augengeboren. Sie können sich von Anfang an in ihrer Sasse verstecken.

Die Häsin kommt nur mehrmals am Tag zum Säugen vorbei. Danach verschwindet sie wieder, damit sie durch ihre Anwesenheit keine Fressfeinde auf die Jungen aufmerksam macht.

Ein kleiner Hase, der allein auf einer Wiese sitzt, ist deshalb normalerweise nicht verlassen.

Am besten beobachtet man ihn aus sicherer Entfernung und lässt ihn dort, wo man ihn gefunden hat.

Nachwuchs fast das ganze Jahr

Der Feldhase ist zudem ein ausgesprochen fortpflanzungsfreudiges Tier. Die Fortpflanzungszeit beginnt bereits im Winter und kann sich über einen großen Teil des Jahres erstrecken.

Die Weibchen können mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen. Die jungen Hasen wachsen schnell heran und sind schon bald selbstständig.

Die bekannte „Rammelzeit“ der Hasen findet vor allem im Frühjahr statt. Dann kann man beobachten, wie Häsinnen und Rammler über die Felder jagen und die Tiere miteinander kämpfen oder sich gegenseitig verfolgen.

Was frisst ein Feldhase?

Feldhasen sind reine Pflanzenfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Gräser und Kräuter
  • Blätter
  • junge Triebe
  • Knospen
  • Getreide
  • Feldfrüchte

Im Winter greifen sie verstärkt auf Rinde, Zweige und Knospen zurück.

Damit ist der Feldhase eng an eine Landschaft gebunden, die ihm über das gesamte Jahr hinweg unterschiedliche Nahrung bietet.

Die Thüringer Feldflur – ein wichtiger Lebensraum

Gerade Thüringen besitzt mit seinen großen Ackerflächen, Wiesen, Feldwegen und traditionellen Landschaftsstrukturen grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Feldhasen.

Doch die offene Landschaft allein reicht nicht aus.

Feldhasen brauchen Strukturen innerhalb der Agrarlandschaft: Feldraine, Hecken, Brachen, ungemähte Bereiche und kleine Gehölze bieten Nahrung und Schutz.

Wo dagegen große Flächen intensiv bewirtschaftet werden und kaum noch Rückzugsräume vorhanden sind, wird es für den Feldhasen schwieriger.

Ein Bewohner unserer Kulturlandschaft

Der Feldhase ist ein interessantes Beispiel dafür, dass Naturschutz nicht nur im Wald stattfindet.

Sein Lebensraum liegt mitten in unserer Kulturlandschaft – dort, wo Landwirtschaft betrieben wird und Menschen leben und arbeiten.

Deshalb können schon vergleichsweise kleine Strukturen einen Unterschied machen: ein breiter Feldrain, eine Hecke, ein unbewirtschafteter Randstreifen oder eine blütenreiche Wiese.

Was für uns manchmal nur wie ein „verwilderter Rand“ aussieht, kann für einen Feldhasen Nahrung, Deckung und Rückzugsraum bedeuten.

Augen auf beim Spaziergang

Wer einen Feldhasen beobachten möchte, sollte vor allem in den frühen Morgenstunden oder am Abend unterwegs sein. Dann sind die Tiere besonders aktiv.

Und manchmal braucht es gar kein Fernglas.

Ein dunkler Punkt mitten auf einem Acker, zwei lange Ohren, die sich plötzlich aufrichten – und schon weiß man: Da sitzt ein Feldhase.

Wenn er kurz darauf losläuft, wird aus dem stillen Beobachter ein erstaunlich schneller Läufer.

Ein Stück Thüringer Feldnatur

Der Feldhase gehört zu den Tieren, die untrennbar mit unserer offenen Landschaft verbunden sind. Er steht für Feldwege, Wiesen, Ackerflächen und die weiten Horizonte, die gerade Thüringen vielerorts prägen.

Ihn zu erhalten bedeutet deshalb auch, unsere Kulturlandschaft vielfältig zu halten.

Und vielleicht ist es genau das Schöne an ihm: Man muss nicht weit fahren, um einem Feldhasen zu begegnen.

Man muss nur manchmal etwas genauer hinschauen. 🐇

Raspedia

Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

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