Kiesablagerung der Ur-Ilm in Rastenberg auf dem Kapellenberg

Die Ur-Ilm – Als Rastenberg noch an einem großen Fluss lag

Heute fließt die Ilm über Weimar und Bad Sulza zur Saale. Vor der Elster-Eiszeit vor mehr als 450.000 Jahren nahm sie jedoch einen völlig anderen Weg. Die sogenannte präglaziale Ur-Ilm verlief von Süden kommend über das Gebiet des heutigen Rastenbergs und querte die Finne in Richtung Unstrut.

Davon zeugen noch heute mächtige Kies- und Sandablagerungen, die unter anderem auf dem Kapellenberg und im Streitholz erhalten geblieben sind. Sie bestehen aus Gesteinen, die die Ur-Ilm auf ihrem Weg aus dem Thüringer Wald mitführte. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erkannte der Weimarer Geologe Prof. Dr. Paul Michael anhand dieser Gerölle den ehemaligen Flusslauf. Später untersuchte Prof. Dr. Wolfgang Soergel die Kiesvorkommen ausführlich und rekonstruierte den Verlauf der Ur-Ilm.

Mit dem Vorstoß des skandinavischen Inlandeises während der Elster-Eiszeit wurde der alte Flusslauf verschüttet. Nach dem Rückzug des Eises verhinderten tektonische Hebungen im Bereich der Finne sowie Veränderungen des Untergrundes, dass die Ilm in ihr ursprüngliches Bett zurückkehren konnte. Sie suchte sich einen neuen Weg – den heutigen Verlauf über Weimar und Bad Sulza zur Saale.

Der Kapellenberg ist deshalb nicht nur ein landschaftlich reizvoller Aussichtspunkt, sondern auch ein bedeutendes geologisches Archiv. In der ehemaligen Kiesgrube wurden neben den Schottern der Ur-Ilm auch Fossilien eiszeitlicher Tiere entdeckt. Besonders bekannt wurde der Fund eines Schädelfragmentes der ausgestorbenen Steppenziege Soergelia elisabethae, deren europäische Fundorte äußerst selten sind.

Wer heute über den Kapellenberg wandert, bewegt sich auf den Spuren eines Flusses, der das Landschaftsbild der Region lange vor der heutigen Ilm geprägt hat.

Wussten Sie schon?

Die Kiesel auf dem Kapellenberg stammen nicht aus der Umgebung Rastenbergs. Sie wurden von der Ur-Ilm aus dem Thüringer Wald hierher transportiert – ein eindrucksvoller Beleg für den einstigen Verlauf des Flusses.

Raspedia

Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

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