Holzbienen in Deutschland und Thüringen: Die friedlichen Riesen unter den Wildbienen

Wer sie zum ersten Mal sieht, hält sie oft für eine große Hummel oder sogar für ein „exotisches“ Insekt: die Blaue beziehungsweise Blauschwarze Holzbiene. Dabei ist sie längst auch in Deutschland angekommen — und inzwischen in Thüringen deutlich häufiger zu beobachten als noch vor einigen Jahren. Mit ihrem metallisch schwarzen Körper, den blau schimmernden Flügeln und dem tiefen Brummen ist sie eine der auffälligsten Wildbienen überhaupt.

Die größte heimische Wildbiene

Die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) gilt als größte heimische Wildbienenart. Sie erreicht etwa 23 bis 28 Millimeter Körperlänge und ist damit deutlich größer als viele andere Wildbienenarten. Charakteristisch sind ihr kompakter, fast hummelartiger Körperbau und die dunkel violett bis blau schimmernden Flügel.
Trotz ihrer imposanten Erscheinung ist sie friedfertig. Die Holzbiene brummt zwar laut und wirkt dadurch manchmal respekteinflößend, verhält sich Menschen gegenüber aber in der Regel ruhig und nicht aggressiv.

Warum sie „Holzbiene“ heißt

Ihren Namen trägt die Holzbiene völlig zu Recht: Sie legt ihre Brut in abgestorbenem, sonnenbeschienenem Holz an. Mit kräftigen Mundwerkzeugen nagt das Weibchen Gänge in morsches, aber noch relativ festes Holz — zum Beispiel in alte Äste, Totholz, Zaunpfähle oder verwitterte Holzbalken. Dabei entsteht tatsächlich feines „Sägemehl“.
In diesen Gängen werden mehrere Brutzellen angelegt. Jede einzelne wird mit einem Ei und einem Vorrat aus Pollen versorgt. Laut NABU Gera-Greiz entstehen dabei 10 bis 15 Brutkammern in einer solchen Röhre.

Von Süden nach Thüringen: eine Art auf dem Vormarsch

Die Blaue Holzbiene war in Mitteleuropa lange eher eine Seltenheit. In Deutschland konzentrierte sich ihr Vorkommen früher vor allem auf den Südwesten. Inzwischen hat sich das deutlich verändert: Heute ist sie, abgesehen von größeren Waldgebieten und Höhenlagen, in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Der NABU führt diese Entwicklung auch auf die wärmeren Bedingungen der letzten Jahrzehnte zurück.
Auch in Thüringen ist diese Entwicklung gut zu beobachten. Seit 2013 wurden dem NABU Thüringen verstärkt Funde aus dem Freistaat gemeldet. Was früher in Mitteldeutschland eher eine Ausnahme war, ist heute in vielen Regionen deutlich wahrscheinlicher geworden.

Wo man Holzbienen in Thüringen entdecken kann

Besonders wohl fühlt sich die Blaue Holzbiene in strukturreichen, warmen Lebensräumen. Dazu zählen laut NABU Thüringen vor allem Streuobstwiesen, naturnahe Gärten, Parkanlagen und lichte Waldränder. Gerade sonnige Bereiche mit einem guten Blütenangebot und etwas Totholz sind für sie attraktiv.

Dass Thüringen für Wildbienen insgesamt ein wichtiges Bundesland ist, zeigen auch die allgemeinen Zahlen: Nach Angaben des NABU Jena sind in Thüringen aktuell 416 Wildbienenarten bekannt. Gleichzeitig gilt mehr als die Hälfte davon als bestandsgefährdet oder verschollen. Das macht deutlich, wie wichtig strukturreiche Lebensräume auch für häufigere und auffällige Arten wie die Holzbiene sind.

Harmlos, nützlich und faszinierend

Die Blaue Holzbiene ist kein Schädling und kein „Problem-Insekt“. Sie lebt solitär, also nicht in großen Staaten wie die Honigbiene. Jedes Weibchen sorgt selbst für den Nachwuchs. Gleichzeitig ist die Art ein wertvoller Bestäuber vieler Blütenpflanzen und damit ein schöner Botschafter für naturnahe Gärten und artenreiche Landschaften.
Gerade weil sie so groß und markant ist, hilft sie vielen Menschen auch dabei, Wildbienen überhaupt bewusster wahrzunehmen. Nicht ohne Grund wurde die Blauschwarze Holzbiene zur Wildbiene des Jahres 2024 gewählt.

So helfen Sie Holzbienen im Garten

Wer Holzbienen im eigenen Garten fördern möchte, muss kein Insektenhotel im klassischen Sinn aufstellen.

Wichtiger sind andere Dinge:

  1. Totholz zulassen, zum Beispiel alte Äste, Holzstücke oder sonnige abgestorbene Stammabschnitte
  2. Blütenreiche Pflanzen fördern, etwa Natternkopf oder Wiesensalbei
  3. den Garten insgesamt naturnah und möglichst abwechslungsreich gestalten
  4. Weniger Ordnung kann in diesem Fall mehr Natur bedeuten.

Ein beeindruckender Frühlings- und Sommergast

Die Blaue Holzbiene ist eines dieser Insekten, die man nicht so schnell vergisst. Wer ihr einmal im Garten, an einer Glockenblume oder an einem sonnigen Holzstapel begegnet ist, erkennt sie meist sofort wieder. Für Thüringen ist sie ein spannendes Beispiel dafür, wie sich unsere Insektenwelt verändert — und wie wichtig naturnahe Lebensräume heute sind.

Wenn wir Gärten, Parks und Landschaften strukturreich erhalten, profitieren davon nicht nur Holzbienen, sondern viele weitere Wildbienenarten in Thüringen und ganz Deutschland.

Eine kleine Enzyklopädie zur Stadt Rastenberg, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Name Raspedia setzt sich aus "Rastenberg" und „Encyclopedia“ (englisch Enzyklopädie) zusammen.

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